← Medien

Vom Tor zu den Alpen bis in die Lagunenstadt: Eine Solo-Durchquerung mit dem Rad

Vom Tor zu den Alpen bis in die Lagunenstadt: Eine Solo-Durchquerung mit dem Rad

Im Juli 2024 habe ich meinen 29. Geburtstag mit einer viertägigen Solo-Fahrt verbracht.

Gestartet in München, über den Brennerpass und immer weiter Richtung Süden bis nach Venedig. Die gesamte Strecke umfasste mehr als 530 Kilometer. Für mich war es mehr als nur eine lange Fahrt von einer Stadt in die nächste. Es fühlte sich an wie ein komprimierter Ausschnitt des Lebens: mit Landschaft, körperlichen Grenzen, kleinen ungeplanten Defekten und der rechtzeitigen Freundlichkeit fremder Menschen.

Hinter München veränderte sich die Landschaft Schritt für Schritt: vom Stadtrand zu Hügeln, Wäldern und Seen, weiter zu den Alpenpässen und schließlich in die südlichen Ebenen. Auf der Karte wirkt die Route wie eine einfache Linie. Auf dem Rad wird daraus Hitze, Steigung, Verpflegung, Entscheidungen und Beharrlichkeit. „Die Alpen überqueren“ ist dann nicht mehr nur eine schöne Formulierung, sondern etwas, das man sich Tritt für Tritt erarbeitet.

Der erste Moment, an den ich mich besonders klar erinnere, passierte direkt am ersten Tag. Es war Hochsommer, und irgendwo am Brenner war ich kurz vor Überhitzung und Schwindel. In der Ferne sah ich ein Café, und von da an gab es nur noch einen Gedanken: irgendwie dorthin kommen, etwas Kaltes kaufen und wieder runterkühlen. Doch kurz vor dem Eingang habe ich die Bordsteinkante übersehen und bin praktisch im Schritttempo direkt vor der Tür umgekippt.

Der Moment vor dem Cafe Maria

Rückblickend war das natürlich unerquicklich, aber genau deshalb habe ich mir diesen Ort gemerkt: Cafe Maria (Dorf 3, 6071 Aldrans, Austria). Der Besitzer war unglaublich hilfsbereit. Er gab mir Desinfektionsmittel, eine eiskalte Cola und einen Kaffee, damit ich wieder zu Kräften komme. Auf langen Fahrten bringt einen nicht nur der eigene Wille weiter, sondern auch genau diese rechtzeitige Freundlichkeit von Fremden.

Weiter Richtung Süden nach dem Pass

Der zweite prägende Moment ereignete sich im Trentino, in der Nähe von Civezzano (38045, Autonomous Province of Trento), während eines Anstiegs. Mitten am Berg waren die Cleats an meinen Radschuhen so weit abgenutzt, dass ich nicht mehr richtig einklicken konnte. Auf einer Langstreckenfahrt ist das kein Problem, das man einfach ignorieren kann. Also blieb nur, in der Hitze nach Trient hinunterzufahren und einen Radladen zu suchen.

Was ich für eine hektische und mühsame Notreparatur hielt, wurde zum Gegenteil. Der Service in dem italienischen Fahrradladen war außergewöhnlich aufmerksam. Einer der Mitarbeiter nahm sich viel Zeit, prüfte sorgfältig die Passform meiner Schuhe, montierte neue Cleats und berechnete dafür nicht einmal eine Servicegebühr. Solche Reisen werden immer wieder von Dingen unterbrochen, die nicht nach Plan laufen. Aber genau dann wird menschliche Wärme besonders greifbar.

Natürlich bestand diese Fahrt nicht nur aus Schwierigkeiten. Die ganze Strecke war voller Berge, Seen, Wälder und sommerlicher Farben, die sich ständig veränderten. Noch eindrücklicher als die Landschaft waren aber die Menschen, denen ich unterwegs begegnet bin. Manche haben mich verabschiedet, manche haben mir geholfen, und manche tauchten nur für einen kurzen Moment auf, ohne überhaupt ihren Namen zu hinterlassen – genau dann, als ich sie brauchte. Dieses ständige Aufbrechen und Abschiednehmen gab der Reise eine Bedeutung, die über das Radfahren hinausging. In gewisser Weise war sie ein abstraktes Abbild des Lebens: eine Erinnerung daran, das Gegenwärtige zu schätzen und sich auch im Abschied gut zu verhalten.

Besonderer Dank geht an Xiao Zhang Da Pro für die Verabschiedung in Bayern und an all die namenlosen Menschen, denen ich unterwegs in Österreich und Italien begegnet bin. Ihr habt diese Solo-Durchquerung vom Tor zu den Alpen bis in die Lagunenstadt zu mehr gemacht als nur zu einer persönlichen Herausforderung. Bis heute ist sie für mich eine Reise, an die ich mit echter Wärme zurückdenke.

Routeninformationen

Streckenaufzeichnung von München nach Venedig

  • Zeitraum: 18.–21. Juli 2024
  • Format: viertägige Solo-Fahrt
  • Route: München → Brennerpass → Trentino → Venedig
  • Gesamtdistanz: ca. 530+ km

Kommentare

Mit GitHub oder E-Mail teilnehmen